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Mai 2016

Round Table für die junge Onkologie

Was fasziniert mich an der Onkologie? Die Teilnehmerinnen des „Round Table der jungen Onkologie“ sprachen über ihre Leidenschaft für die Onkologie, über Voraussetzungen, die man in diesem Fach mitbringen sollte und über die Definition von Erfolg. Dr. Sophie Roider-Schur und Dr. Christian Tatschl moderierten die Veranstaltung. Onkologie ist Gesprächs- und Anwendungskunst. Die ganzheitliche und kontinuierliche Betreuung hat für die Onkologinnen große Bedeutung – es geht darum, den Patienten und sein Umfeld kennenzulernen und damit eine bessere Betreuung zu gewährleisten. Wenn man weiß, was man einem Menschen zumuten kann, kann die Therapie besser angepasst werden, gibt Dr. Sophie Roider-Schur zu bedenken. Eine realistische Aufklärung, was unter Umständen auf den Patienten zukommt, beispielsweise Palliative Care, sollte schon am Beginn in die Gespräche miteinfließen. Die Art der Gesprächsführung hat dabei einen essenziellen Anteil, Daten und Fakten sollten so kommuniziert werden, dass der Patient sie versteht und annehmen kann. Was man am Anfang bespricht, spart später Zeit – dies ist laut Dr. Roider-Schur eine wichtige Lektion für die Aufklärungsgespräche. Gespräch auf Augenhöhe Nach Meinung von Dr. Aysegül Ilhan-Mutlu sollte die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen ein Teil der Ausbildung werden. Die Auseinandersetzung mit den Angehörigen sieht die Onkologin als wichtigen Bestandteil der Betreuung – sie versucht den Ausdruck „schwierige Angehörige“ grundsätzlich zu vermeiden. Für Dr. Sabine Burger ist es wichtig, ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen, es geht darum, auch andere Meinungen gelten zu lassen. Die Patienten dürfen ihre Ängste äußern, und wenn sie eine Therapie ablehnen, ist dies auch zu akzeptieren. Jede Einzelperson geht ihren individuellen Weg, und es ist die Aufgabe der Onkologen, sie auf diesem Weg zu unterstützen. Arzt-Patienten-Verhältnis Krebs bedeutet Tod – diese Stigmatisierung existiert nach wie vor. Ein „positiver“ Aspekt dieser Tatsache ist, dass die Patienten-Compliance sehr gut ist, die Betroffenen fragen nach, wie sie selbst zu ihrer Heilung betragen können. Auch dies ist ein Aspekt, der die enge Zusammenarbeit mit dem Patienten fördert. „Wenn das Arzt-Patienten-Verhältnis gut ist, werden Therapien positiver angenommen und auch das Nebenwirkungsmanagement wird verbessert, da Patienten sich eher trauen, ihre Beschwerden mitzuteilen“, so Dr. Nadine Tröndle. Nach Meinung der Onkologinnen ist es von großer Wichtigkeit, offen die Prognoseaussichten zu kommunizieren, damit der Patient berufliche und private Angelegenheiten klären kann. Durch die sehr intensive Betreuung und Auseinandersetzung mit den Betroffenen „bekommt man auch viel an Dankbarkeit wieder zurück“ – nach Ansicht der Onkologinnen zeichnet dies die Onkologie aus. Qualitätsverlust durch Einsparmaßnahmen Kosten- und Dienstzeitenreduktion führt dazu, dass dieses wichtige Tool der Gesprächsfürsorge zu wenig Berücksichtigung findet. Dies führt nach Meinung der Onkologinnen zu Frustrationen, weil man seine Arbeit nicht mehr so erledigen kann, wie man das gerne möchte. Die Multidisziplinarität des Faches erfordert eine gute Struktur und die zeitlichen und infrastrukturellen Möglichkeiten, in einem Team gut zusammenzuarbeiten. Um die Qualität der Betreuung aufrechtzuerhalten, muss momentan viel von der Freizeit geopfert werden, die dann natürlich im Privatleben fehlt. In dieser Hinsicht ist man oft fremdbestimmt. Zeit fehlt auch in der Ausbildung und gerade dort wäre es laut Dr. Eva Maria Autzinger wichtig, Patienten kontinuierlich zu betreuen, um zu sehen, was die Entscheidungen, die man getroffen hat, bewirken. Erfolg ist nicht nur Kuration Für die Onkologinnen ist es ein Privileg, für andere da zu sein. Gerade wenn es keine Heilung gibt, „ist es umso wichtiger, wenn jemand da ist, der seine Tätigkeit mit Engagement und Enthusiasmus betreibt“, so Dr. Anna-Sophie Berghoff. Das Gefühl, die Situation für alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten, ist ein wichtiger Teil des Erfolges in der onkologischen Betreuung. Erfolg in diesem Sinne ist, wenn die Szenarien am Lebensende gut verlaufen, friedlich und damit auch wesentlich für die Angehörigen, die die Erinnerungen schließlich mitnehmen. Laut Dr. Burger ist es für Patienten wichtig, wenn sie eine Ansprechperson haben, die diese oft schwierigen Situationen einfach „aushält“. Dabei muss natürlich auf die eigene Psychohygiene geachtet werden. In der Onkologie geht es häufig darum, „was man hat zu erhalten und die Grenzen zu akzeptieren“, so Dr. Berghoff. Die gelebte Fürsorgeverantwortung wird nach Meinung der Onkologinnen im Allgemeinen leider nicht als Leistung honoriert. Nähe zur Wissenschaft Die Onkologie ist ein dynamisches Fach der inneren Medizin, und zwar auf persönlich emotionaler, klinischer und wissenschaftlicher Ebene. Die „targeted therapies“ und Immuntherapien ermöglichen es, durch Forschung die Situation für den Patienten relativ unmittelbar zu verbessern. Nach Meinung der Onkologinnen ist es essenziell, sich ein „target“ im Sinne eines Behandlungsschwerpunktes zu setzen. „Die Spezialisierung in der Onkologie ist aufgrund der enormen Breite des Feldes zunehmend von Bedeutung.“, so Dr. Tröndle. Auch die Vernetzung und der Austausch mit Experten auf nationaler und internationaler Ebene werden aufgrund der rasanten Entwicklungen immer wichtiger. Welche Skills braucht man? Neben dem Interesse, sich klinisch und wissenschaftlich weiterzubilden, sollte man laut Dr. Therese Edith Spreitzer Empathie und Geduld, im Sinne der Fähigkeit, zuhören zu können, mitbringen. Denn Patienten sind keine Leitlinien, Therapieentscheidungen sollten auf Diagnose- und Gesprächsbasis getroffen werden. Wichtig ist auch, die Balance zu finden, sich für die Patienten einzusetzen und seine eigenen Grenzen zu kennen, um nicht „emotional auszubrennen“. Wenn man seine Limitationen kennt und auch den Mut aufbringt, Unterstützung einzufordern, kann man in diesem Fach auch lange tätig sein. (Katharina Ostermann, 20.2.2018)



Apr 2018

Drei neue Upper-GI-Studien

(Chemo-)Immuntherapie Der erste Teil der Keynote-059-Studie, die Wirksamkeit und Sicherheit von Pembrolizumab bei Patienten mit vorbehandeltem fortgeschrittenen Magenkrebs untersucht, wurde im Rahmen einer Session vorgestellt (Fuchs CS et al., Abstract 4003). In diese Phase-II-Studie waren 259 Patienten mit rezidivierten oder metastasierten Tumoren des oberen Gastrointestinaltrakts (GI) eingeschlossen, die zwei oder mehr Therapielinien bekommen hatten. Bei einer Gesamtansprechrate (ORR) von 11,2 Prozent war die ORR bei Patienten mit PD-L1-Expression höher als bei PD-L1-negativen Patienten. Darüber hinaus zeigte sich in der Drittlinie eine höhere ORR als in der Viertlinie. PD-L1-positive Patienten in der Drittlinie profitierten sogar noch stärker (ORR 21,3%). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Pembrolizumab in dieser stark vorbehandelten Patientengruppe gute Wirksamkeit und ein überschaubares Nebenwirkungsprofil zeigte. Der zweite Teil der Keynote-059-Studie wurde im Rahmen einer Posterdiskussion vorgestellt (Bang YJ et al., Abstract 4012). Untersucht wurde Pembrolizumab in Kombination mit 5-Fluoruracil (5-FU)/Cisplatin in der Erstlinientherapie von fortgeschrittenen Tumoren des oberen GI. Die ORR lag bei 60 Prozent, bei der Subgruppe mit PD-L1-positiven Tumoren sogar bei 69 Prozent. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 6,6, das mediane Gesamtüberleben (OS) 13,8 Monate. Das Nebenwirkungsprofil war überschaubar.



Mai 2016

In kürzerer Zeit kommt oft mehr raus

Dr. Aysegül Ilhan-Mutlu, PhD, Universitätsklinik für Innere Medizin I, setzt auf Dynamik, sowohl in der Forschung als auch im eigenen Lebenslauf. Sie macht vor, wie man in viereinhalb Jahren Medizin studiert und Kind mit Karriere in der Wissenschaft kombiniert. (krebs:hilfe! 4/17)“ Ilhan-Mutlu: „Wissenschaft mit Präsentationen und Deadlines, das kann stressig und mühsam sein, aber es ist auch sehr dynamisch.“ Die 32-jährige Ilhan-Mutlu ist derzeit in Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin im fünften Jahr. Sie blickt auf zahlreiche Publikationen auf dem Gebiet der Neuroonkologie zurück und erhielt dafür u.a. eines der begehrten ESMO Translational Research Fellowships für einen Aufenthalt am Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg. Dabei entstand eine Publikation die zeigte, dass Bevacizumab die Entstehung von Hirnmetastasen bei Patienten mit Lungenkarzinom reduzieren kann (Ilhan-Mutlu et al., Mol Cancer Ther 2016). Auf der Überholspur 2007 promovierte die gebürtige Türkin, die im Alter von 17 Jahren nach Wien kam, um Medizin zu studieren, nach nur viereinhalb Jahren Studium. „Ich habe in den Ferien immer famuliert und wollte mich so schnell wie möglich weiterentwickeln“, sagt sie. Nach dem Studium forschte Ilhan-Mutlu an der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III auf den Gebieten Endokrinologie und Nephrologie und charakterisierte das bis dahin unerforschte C20orf3-Gen, woraus später ihre PhD-Thesis entstand. Ab 2009 engagierte sie sich in der Arbeitsgruppe Neuroonkologie von Assoz.-Prof. PD Dr. Matthias Preusser und war an der Gründung einer Biobank für Patienten mit primären und sekundären Hirntumoren beteiligt. Aus den hier gesammelten Daten entstand u.a. die Arbeit „Comparison of microRNA expression levels between initial and recurrent glioblastoma specimen“ (Ilhan-Mutlu et al., J Neurooncol 2013), die mit dem Poster Award der European Associaton of Neuro-Oncology ausgezeichnet wurde. Der Facharzt muss warten Nachdem sie vier Jahre lang ihrer Forschungstätigkeit nachgegangen war, begann Ilhan-Mutlu 2011 mit der Facharztausbildung. Wissenschaftlich interessierten Absolventen empfiehlt sie, vor Beginn der Ausbildung zumindest zwei Jahre in die Forschung zu investieren um sich wirklich darauf konzentrieren zu können. In den letzten Jahren engagierte sich Ilhan- Mutlu insbesondere in der Gastrooesophageal Tumor Unit des CCC Vienna, Med- Uni Wien. „Unter der Leitung von Prof. Schoppmann haben wir ein sehr gut etabliertes Tumorboard mit allen Experten auf diesem Gebiet. Hier möchten wir gemeinsam mit Prof. Preusser die Anzahl der klinischen Studien deutlich erhöhen.“ Eines ihrer weiteren Ziele ist die Habilitation, wofür Ilhan-Mutlu bereits alle Leistungsnachweise erbracht hat und auf einen Termin zur Defensio wartet. Wissenschaft als Trost An der Wissenschaft mag Ilhan-Mutlu die ständige Erneuerung: „Man muss immer schauen, was rauskommt, es gibt Präsentationen, Deadlines, das kann stressig, mühsam und kompromissvoll sein, aber es ist auch sehr dynamisch.“ Sich nebenbei um ihren eineinhalb- jährigen Sohn zu kümmern ist eine Herausforderung, bei der Ilhan-Mutlu sehr viel Unterstützung von ihrer Familie bekommt: „Nur so, kann ich am Wochenende, nach dem Dienst oder abends etwas für meine Forschungsarbeit leisten.“ Dankbar ist sie auch über die Möglichkeit zur Teilzeitbeschäftigung während der letzten Monate – eine Option, die sich ihrer Meinung nach an der Klinik noch stärker etablieren sollte: „Wenn man nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung hat, kommt oft auch mehr raus.“ Als frustrierend erlebt Ilhan-Mutlu, wenn sie jungen Menschen mit metastasierten Karzinomen nicht langfristig helfen kann. Im Gespräch mit Patienten und deren Angehörigen versucht sie dann 100 Prozent empathisch zu sein und so gut wie möglich aufzuklären: „Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie sich auskennen, können sie mit der Erkrankung besser umgehen.“ Gleichzeitig in der Wissenschaft tätig zu sein ist für sie ein Trost: „Ich habe dann das Gefühl, dem Patienten alle Möglichkeiten, die derzeit existieren, anbieten zu können. Außerdem trage ich zur Weiterentwicklung der Therapien bei und kann zukünftige Patienten vielleicht besser behandeln.“



Mai 2016

ASCO 2012- Meeting Report von Dr. Anna Berghoff

Ayseguel Ilhan-Mutlu präsentierte in der Rahmen der Central Nervous System Tumors Poster Diskussion eine Studie zur microRNA Analyse bei Glioblastomen. Von einem Patienten waren Blutabnahmen 12, 42 und 72 Monate vor der Erstdiagnose des Glioblastom verfügbar. In der micro RNA Analyse zeigte sich bereits vor der Erstdiagnose eine Aufregulation der microRNA-21 und microRNA-let7, nicht jedoch von S100B, NPY, SCGN, microRNA 128 und microRNA 342-3p im Vergleich zu einem Vergleichkollektiv ohne maligne Erkrankung. Die Aufregulation der microRNA-21 und microRNA-let7 könnten daher bereits präklinisch mit der Entwicklung eines Glioblastoms assoziiert sein.



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